Organspende & Transplantation

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Hinweis: Die aufgeführten Medikamente sind aus dem Medikamentenplan einer Herztransplantation. Bei anderen Organtransplantationen werden z.T. andere Mittel verabreicht, aber die Medikamente zur Immunsuppression sind i.d.R. immer die gleichen.

1. Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung der Transplantatabstoßung (Immunsuppression):

Ciclosporin A (Sandimmun*): wird in zwei gleichen Einzeldosen morgens und abends zwischen 8 und 9 Uhr (bzw. 20 und 21 Uhr) eingenommen. Falls Sie das Medikament in flüssiger Form einnehmen, muss die Substanz in Kakao oder Orangensaft aufgelöst und unmittelbar nach Zubereitung getrunken werden. Bei der Einnahme von Kapseln sind keine bestimmten Anwendungsvorschriften zu beachten. Für die Überwachung des Ciclosporinspiegels sind Blutentnahme und Einnahme des Medikamentes zum jeweils gleichen Zeitpunkt erforderlich. Die Blutentnahme zur Spiegelbestimmung erfolgt morgens unmittelbar vor der Einnahme. Anzustreben sind anfangs Werte von 250 - 300 ng/ml. Nach Ablauf von drei Monaten wird der Spiegel auf etwa 200 - 250 ng/ml, langfristig auf 150 - 200 ng/ml eingestellt. Nebenwirkungen (NW): Verschlechterung der Nierenfunktion, verstärkter Haarwuchs, Zittrigkeit der Hände, Bluthochdruck, Zahnfleischwucherungen, Gelenkschmerzen, Durchfall.

Kortikosteroide: Üblicherweise wird in den ersten postoperativen Tagen Methylprednisolon (Urbason*) intravenös und nach erfolgter Oralisierung Prednisolon (Decortin H*) gegeben. Dosierung: Initial 2x50 mg p.o., dann zweitäglich Dosisreduktion um 5 mg. Die Erhaltungsdosis von ca. 0,1 - 0,2 mg/kg KG (entspr. ca. 10 mg/Tag bei 70 kg KG) wird dann für das erste Jahr beibehalten. Nach Ablauf eines Jahres kann die Dosis auf 5 - 7,5 mg/Tag) reduziert werden. NW: Vollmondgesicht, Muskelschwäche, Bluthochdruck, Magendarmgeschwür, Osteoporose und Neigung zu Knochenbrüchen, Erhöhung des Infektionsrisikos, Erhöhung des Augeninnendrucks und Linsentrübung mit Sehstörungen.

Mycophenolatmofetil (CellCept): In der Regel das dritte Medikament in Kombination mit Sandimmun und Kortisonpräparaten. Der Wirkstoff Mycophenolatmofetil wird häufig “MMF” abgekürzt, bei der Bestimmung der Blutspiegel wird das Abbauprodukt Mycophenol-Säure (“MPA-Spiegel”) gemessen. Die Besonderheit dieses Medikamentes ist, dass zwischen einzelnen Menschen große Unterschiede bezüglich der Aufnahme im Darm und dem Abbau im Körper bestehen. Daher kommen sehr unterschiedliche Dosierungen zum Einsatz, die an die Blutspiegel angepasst sind: Z.B. 2x tgl. 1 Tbl. À 500 mg, gelegentlich sogar 6-8 Tbl. à 500 mg verteilt auf 2-3 Einnahmezeitpunkte. NW: Häufig Durchfall, Erbrechen und Bauchkrämpfe; seltener Unwohlsein, Kopfschmerzen, Schwäche, Kreislaufstörungen. Azathioprin (Imurek*): ist das älteste Medikament, das in Kombination mit den oben genannten Präparaten einer Abstoßung des Transplantats entgegenwirken soll. Seit Einführung von CellCept seltener verwendet. Die Dosierung sollte so gewählt werden, dass sich die Zahl der Leukozyten um 4000/mm³ bewegt. Anfangs werden ca. 2,0 - 2,5 mg/kg KG, längerfristig je nach individuellen Gegebenheiten zwischen 1,0 und 2,5 mg/kg KG verordnet. NW: Appetitlosigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Leukozytopenie (unter 3000/mm³ Leukozyten Absetzen von Imurek, später erneuter Versuch mit reduzierter Dosis von 25-50 mg/Tag unter regelmäßiger Blutbildkontrolle), evtl. Panzytopenie (Verminderung aller Zellreihen im Blut), Leberfunktionsstörung.

Rapamune (Sirolimus): ist das modernste Medikament in der Gruppe der Immunsuppressiva. Es wird in der Regel In Kombination mit CellCept eingenommen. Auch hier ist eine regelmäßige Blutspiegelkontrolle sehr wichtig. NW: Flüssigkeitsansammlung im Bereich der Nieren, Schwellung der Extremitäten, Wundheilstörungen, schneller Herzschlag, Bauchschmerzen, Durchfall, Verminderung der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen, erhöhter Cholesterinspiegel, erhöhte Blutfette, erniedrigter Kaliumwert im Blut, erhöhte Laktat-Dehydrogenase (LDL) im Blut, Gelenkschmerzen, Akne und Harnwegsinfekte.

In der frühen postoperativen Phase bzw. zur Abstoßungsbehandlung kommen eventuell noch weitere Medikamente zum Einsatz:

Antithymozytenglobulin (ATG-Fresenius): ATG hat eine zytotoxische Wirkung vornehmlich gegen T-Lymphozyten und kann zur frühen postoperativen Abstoßungsprophylaxe und zur Behandlung akuter Abstoßungsepisoden verwendet werden. Dosierung: In der ersten postoperativen Woche 5 mg/kg KG (in G5% gelöst) langsam i.V., bei schwerer akuter Abstoßung für drei Tage ebenfalls 5 mg/kg KG. Empfohlen wird die gleichzeitige Gabe von Paracetamol (Ben-u-ron*) oral, Clemastin (Tavegil*) i.V. und ggf. 100 mg Methylprednisolon (Urbason*) i.V. kurz vor Beginn der Infusion. NW: Fieber, Schüttelfrost, gastrointestinale Beschwerden.

OKT3 (Orthoclone* OKT3): OKT3 ist ein monoklonaler Antikörper aus der Maus gegen das CD3-Antigen der menschlichen T-Lymphozyten und kommt bei Versagen der ATG-Abstoßungsbehandlung zum Einsatz. Dosierung: 5 ml (5 mg OKT3) pro Tag an zehn aufeinander folgenden Tagen. Zusätzlich sollte etwa eine Stunde vor der OKT3-Gabe 50 mg Hydrocortison i.V. injiziert werden. NW: Lungenödem, Dyspnoe; Fieber, Schüttelfrost, Psychose.

2. Prophylaxe und Behandlung von Infektionen:

Valganciclovir (Valcyte*): zur Vorbeugung einer Infektion mit dem Cytomegalie-Virus (CMV). In der Regel 2xtgl. 1 Tbl. à 450 mg, bei Bedarf 2xtgl. 2 Tabletten. NW: Leukozytopenie, Übelkeit, Allergie, bei Kreatininerhöhung Dosisreduktion Acyclovir (Zovirax*): Zur Vorbeugung einer Herpes-simplex-lnfektion 4xtgl. 1 Tbl. a 200 mg, bei eingeschränkter Nierenfunktion reduzierte Dosis; zur Behandlung z.B. einer Varizellen-Zoster-lnfektion (Gürtelrose) 4xtgl 1 Tbl. a 400mg. NW: Magen-Darm-Störungen, Hautrötungen, Anstieg von Leberenzymen und Nierenretentionswerten.

Cytomegalie-lmmunglobulin (Cytoglobin Tropon* ): Zur Prophylaxe einer Cytomegalie-Virus-lnfektion noch während des postoperativen stationären Aufenthaltes 1 ml/kg KG als Kurzinfusion i.V. zur Behandlung einer Infektion 2-3 ml/kg KG tgl. über drei Tage. NW: allergische Reaktion. Gancyclovir (Cymeven*): Zur Behandlung einer schweren Cytomegalievirus-Infektion 10 mg/kg KG verteilt auf 2 Dosen, tgl. i.V. für mind. 10 Tage. NW: Leukozytopenie, Übelkeit, Allergie, bei Kreatininerhöhung Dosisreduktion

Amphotericin B (Ampho -Moronal*) Lutschtabletten/Suspension: Zur Prophylaxe von Pilzinfektionen (Soor) in Mundhöhle und Rachen 4xtgl. nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen.

Pyrimethamin (Daraprim*): Zur Prophylaxe einer Toxoplasmose-lnfektion bei seronegativen Patienten . Dosierung: I x 1 Tablette (25mg) tgl.. NW.: Magen-Darm-Beschwerden, Leberfunktionsstörungen, Neurotoxizität (Tremor), Blutbildveränderungen.

Hexoral* / Meridol*: Zur Vorbeugung von entzündlichen und infektiösen Erkrankungen im Mund- und Rachenraum 4xtgl. nach den Mahlzeiten 1/2 Minute spülen und gurgeln.

3. Sonstige häufig verordnete Medikamente:

Ranitidin (Zantic*) oder andere H2-Rezeptorenblocker: Zur Behandlung und Vorbeugung von Schleimhautläsionen im oberen Magen-Darm-Trakt Dos.: I x l Tbl. am Abend, ggf. Reduktion bei eingeschränkter Nierenfunktion. NW: Kopfschmerzen, Durchfall, Gelenk- u. Muskelschmerzen, Hautausschlag, Ödeme, Blutbildveränderungen.

Ramipril (Delix*). Enalapril (Xanef*) oder andere ACE-Hemmer: bei Bluthochdruck in individueller Dosis unter Kontrolle der Nierenwerte und Elektrolyte. NW: Nierenfunktionsstörungen, Kaliumanstieg, Hautreaktionen, Magen-Darm-Störungen, Beeinträchtigung der Geschmacksempfindung, Hustenreiz.

Furosemid (Lasix*), Triamteren/Hydrochlorothiazid (Dytide H) und andere Diuretika: zur Kombinationsbehandlung bei Bluthochdruck und bei FIüssigkeitsretention infolge von Nierenfunktionsstörungen in individueller Dosis unter Kontrolle der Nierenretentionswerte und Serumelektrolyte. NW: Magen-Darm-Störungen, allergische Reaktionen, Elektrolytstörungen.

Benzbromaron (Narcaricin*, Benzbromaron*): bei Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel).

Allopurinol, das sonst häufig zur Behandlung eingesetzt wird. ist wegen der Wechselwirkung mit Azathioprin (Imurek*) beim herztransplantierten Patienten kontraindiziert. NW: Durchfall, Kristallurie.

Wichtig: Die meisten der genannten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind dosisabhängig. Sollte es also zu Beschwerden kommen, sind sie häufig rückläufig. wenn die Medikamentendosis (nur durch die Herztransplantationsambulanz) reduziert bzw. umgestellt wird. Zusätzlich können durch eine tägliche Trinkmenge von mindestens 3 Litern FIüssigkeit vor allem die renalen Nebenwirkungen gemildert werden.

Wichtige Hinweise

  • Diese Medikamentenliste stellt keinerlei Therapieempfehlung dar! Sie soll nur zur Information dienen wie viele bzw. welche Medikamente im Zusammenhang mit einer Organtransplantation verordnet werden.
  • In keinem Fall sollten Sie die verordnete Medikamentendosis- bzw. Zusammenstellung selbst verändern.
  • Die Medikation ist von Zentrum zu Zentrum durchaus unterschiedlich. Diese Aufstellung stellt nur ein Beispiel dar.
 

 

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Stand: 11. September 2004

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