Organspende & Transplantation

Einleitung
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Einleitung

Der Mensch gibt sich gerne Wunschvorstellungen und Illusionen hin, während er unangenehme Dinge verdrängt. Aber die Realität ist brutaler: Eine Herpes-Virus-Infektion der Hornhaut führt zur Erblindung, eine Nierenentzündung an die künstliche Blutwäsche, nach einer Narkose fällt die Leber aus oder kleinste Stufen werden unüberwindbar, weil das Herz nicht mehr pumpt. In solchen Situationen kann durch eine Transplantation der Tod bzw. die Lebenseinschränkung abgewandt werden. Dies setzt eine Organ- oder Gewebsspende voraus. Die seit über 30 Jahren etablierte und bewährte Praxis wurde in Deutschland 1997 endlich in einem Transplantationsgesetz auf eine rechtliche Grundlage gestellt. In fast allen anderen zivilisierten Nationen erfolgte das viele Jahre zuvor.

Bei jüngeren Mitmenschen ist die Frage der Organtransplantation und Spende im Leben eine oft verdrängte Realität, weil man nur selten betroffen ist. Bei Älteren weniger, da parallel zum Alter die Wahrscheinlichkeit wächst endgradig erkrankte Mitbürger zu kennen oder Menschen bei denen es zum Todesfall kam. Für alle Bürger in Baden-Württemberg beträgt das statistische Risiko auf ein Organ zu warten, weil ein körpereigenes ausgefallen ist, 1 zu 7500 laut Daten der Eurotransplant-Wartelisten. Sicher ist diese Zahl zu niedrig, da es eine Dunkelziffer von Patienten gibt, denen durch eine Transplantation geholfen werden könnte, die aber nicht in einem Transplantationszentrum vorgestellt werden und somit von der Organvergabe bei Eurotransplant ausgeschlossen sind.

Übertragbare Organe sind Herzen, Lungen, Lebern, Nieren, Bauchspeicheldrüsen und Darm. Abzugrenzen hiervon sind übertragbare Gewebe wie Knochenmark, Knochenmaterial, Hornhäute, zarte Hirnhäute, Haut etc., die unabhängig von der Blut- bzw. Sauerstoffversorgung gelagert oder entnommen werden können. Hieraus ergeben sich unterschiedliche Abläufe in Bezug auf die Organ- bzw. Gewebsspende.

Im Folgenden werden die Grundprinzipien der Organtransplantation und Spende vorgestellt. Sie sind weltweit einheitlich. Abschließend wird der Ist-Zustand der Organspende und Transplantation in Deutschland mit den anderen europäischen Ländern verglichen.

Die Basis für diese Übersicht war das Einleitungsreferat der Expertentagung von Juristen und Mediziner der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und dem Justizministerium Baden-Württemberg im Herbst 1995 in Bad Urach [4].

Die Transplantation ist für Patienten mit endgradigem Organversagen die einzige Behandlungsmöglichkeit. Aufgrund der Erfahrungen und Erkenntnisse in der Operationstechnik, Immunsuppression und Nachbehandlung kommt sie heute für viele Patienten nach sorgfältiger Vorbereitung in Frage. Bei allen Transplantationen sind neben organspezifischen Fragen folgende Grundsätze zu beachten:

(a) Patient (Empfänger):

Der Organempfänger und sein Umfeld müssen die Abläufe der Organübertragung und damit verbundenen langfristigen Lebensveränderungen verstehen und akzeptieren einschließlich eventueller Einschränkungen. Vor jeder Transplantation ist in einem ausführlichen Untersuchungsprogramm zu prüfen, ob nicht Faktoren vorliegen, die eine Organübertragung ausschließen.

(b) Chirurgie / Anästhesie:

Die Blutzu- und abflüsse der Organe werden nach gefäßchirurgischen Prinzipien rekonstruiert sowie die Ableitung der Ausscheidungsprodukte nach entsprechender Technik wiederhergestellt [17] [37] [40]. Während der Operation wird der Patient anästhesiologisch betreut. Neben der Narkose sind die durch den Organausfall bedingten multisystemischen Veränderungen auszugleichen. Nach erneuter Durchblutung der Organe ergeben sich durch die Funktionsaufnahme erhebliche Veränderungen, auf die die Betreuung abzustimmen ist [43] [69].

(c) Immunologie:

Das Hauptproblem der Transplantation ist weniger der chirurgische Eingriff als vielmehr die immunologische Akzeptanz des Transplantates durch den Empfänger. Je besser die Gewebsmerkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen, desto länger ist die Transplantatüberlebenszeit [51] [69]. Zur Verhütung der Abstoßungsreaktion ist immer eine immunsuppressive Therapie erforderlich. Sie erfolgt über die gesamte Funktionsdauer des Transplantates. Dies setzt eine kompetente Überwachung und Nachsorge in Zusammenarbeit mit dem Patienten voraus [53].

Durch die vererbten Gewebsmerkmale unterscheiden sich alle Lebewesen auf der Welt. Mit ihrer Hilfe erkennt das Abwehrsystem ob etwas zum einem selbst gehört oder fremd ist. Alles Fremde wird angegriffen und zerstört (abgestoßen): Neben Krankheitserregern und Tumorzellen auch transplantierte Organe, da eine Differenz zwischen Spender und Empfänger besteht. Der Körper stößt das transplantierte Organ ab, falls nicht das Abwehrsystem mit einer Kombination von Medikamenten unterdrückt wird (Immunsuppression). Dies ist nicht frei von Komplikationen. Abstoßungen müssen gestoppt werden, bevor es zu irreversiblen Schäden kommt. Sonst droht der Organverlust, eine Retransplantation von Leber, Herz bzw. Lunge oder die Rückkehr an die Dialyse bei der Niere werden unumgänglich [43] [53] [69].

(d) Spender:

Eine Transplantation kann nur erfolgen, wenn es ein Spenderorgan gibt. Nur wenn die Prinzipien der Intensivmedizin mit dem Ziel Rehabilitation beachtet werden, die eine optimale Funktion der inneren Organe voraussetzt, ist nach dem Hirntod eine Organspende möglich [24] [36]. Dies umfasst den primären Rettungseinsatz, die Behandlung vor Eintritt des Hirntodes sowie danach. (s. Abschnitt 3). Neben der postmortalen Organspende ist auch eine Organspende von lebenden Spendern bei regenerierbaren Geweben oder paarigen Organen, Leber- oder Lungenteilen möglich (s. Abschnitt 2.6).

Auf der folgenden Seite werden die in Europa etablierten Organtransplantationsverfahren vorgestellt.

 

 

Wichtige Hinweise

  • [eckige Klammern] = Literaturhinweis

 

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Copyright © 2000 Organspende und Transplantation
Stand: 11. September 2004

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