Nachfolgend ein Artikel aus der Ärzte Zeitung:

Transplantationsmedizin

Makabres Experiment ist bei Affen bereits gelungen. US-Neurochirurg will angeblich Köpfe von unheilbar Kranken transplantieren

Cleveland (rf). Ein renommierter US-amerikanischer Neurochirurg will angeblich künftig Köpfe von unheilbar Kranken auf gesunde Körper von Hirntoten verpflanzen. So unglaublich dieser Bericht im "Stern" klingt - das Horrorszenario könnte zur Realität werden. "Eine solche Operation wäre zwar riskant, technisch gesehen aber gar nicht so problematisch", sagte Professor Detlef Linke, Oberarzt an der Neurochirurgischen Universitätsklinik Bonn, im Gespräch mit der ÄRZTE ZEITUNG.

Bereits in den 60er und 70er Jahren gab es nach Angaben von Linke ähnliche Experimente bei Tieren. Der US-Forscher, der die Kopfverpflanzung 1998, spätestens 1999 beim Menschen vornehmen will, Professor Robert White vom MetroHealth Medical Center in Cleveland in Ohio, hat schon vor 20 Jahren den Kopf eines Rhesusaffen erfolgreich auf den Körper eines anderen Affen verpflanzt. Die Chimäre lebte fünf Tage, dann ließ man sie sterben.

Durchtrennte Schlagadern könnten heute gut wieder miteinander verbunden werden, erklärte Linke die technischen Möglichkeiten. Dies gelinge aber nicht bei einem durchtrennten Rückenmark. Mensch oder Tier, denen ein Kopf angenäht wird, wären also querschnittgelähmt. In zwanzig Jahren, so Linke, seien die Forscher vielleicht so weit, daß auch ein durchtrenntes Rückenmark wiederhergestellt werden könne.

Die Vorstellung aber, daß ein unheilbar Kranker, etwa ein Krebspatient mit Metastasen, dem Experiment zustimme und lieber als Querschnittgelähmter weiterleben wolle anstatt zu sterben, sei gar nicht so abwegig. "Der Mensch will leben", sagte Linke.

Es gebe aber noch weitere Komplikationen. So werde mit der Myelondurchtrennung auch die zentrale Atmungsregulation zerstört. Die Patienten müßten dann beatmet oder mit künstlichen Atmungsstimulatoren versorgt werden. Auch der Kehlkopf wird wohl nicht wieder innerviert werden können, sagte Linke, und - je nachdem, in welcher Höhe der Kopf abgetrennt worden sei, könnten auch die Gesichtsnerven verletzt worden sein. Unklar ist auch, ob es gelingt, die Abstoßungsreaktionen zu verhindern.

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