Durchbruch: Erste erfolgreiche Lungentransplantation in Heidelberg

Am 10. Juni diesen Jahres wurde von Professor Dr. Siegfried Hagl, Ärztlicher Direktor der Abteilung Herzchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik, und seinem Team bei einer 54-jährigen Karlsruher Patientin mit schwerstem Lungenemphysem im Endstadium eine doppelseitige Lungentransplantation vorgenommen. Nach weitgehend komplikationslosem Verlauf wurde die Patientin am 31. Juli nach Hause entlassen.

Nachdem im Januar 1988 ein erfolgreiches Herztransplantationsprogramm mit bisher über 170 Herztransplantationen an der Abteilung für Herzchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg etabliert worden war, wurde l996 der Entschluß gefaßt, auch die Transplantation der Lunge durchzuführen. In enger Kooperation mit der Thorax-Klinik Heidelberg-Rohrbach, insbesondere mit Professor Dr. Schulz, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin-Pneumologie, und Professor Dr. Kübler, Direktor der Abteilung Innere Medizin II1, Schwerpunkt Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Universität, sowie entsprechender Vorbereitung der Teams, wurden im Oktober '96 die ersten Patienten mit schwersten Lungenerkrankungen im Endstadium auf die Warteliste bei Eurotransplant in Leiden, Holland, gemeldet.

Frau E.M., eine 54-jährige Karlsruher Patientin, die seit vier Jahren an schwerstem Lungenemphysem, einer Art schleichenden Erstickung, litt und in den letzten Monaten nicht nur wie seit Jahren permanent Sauerstoff über eine Nasensonde benötigte, sondern darüber hinaus mehrere Stunden täglich beatmungspflichtig war, wurde die erste Heidelberger Patientin, für die ein Organ bereitgestellt werden konnte.

In einer fünfstündigen Operation wurden beide erkrankte Lungenflügel durch Prof. Hagl und Priv.Doz. Dr. Jakob, Leitender Oberarzt, entfernt und die Spenderlungen implantiert.

Dies geschah unter Zuhilfenahme der Herz-Lungenmaschine, um den Eingriff für die Patientin schonender zu gestalten und die Wiederdurchblutung der Spenderlungen kontrolliert erfolgen zu lassen. Die Patientin hat den Eingriff komplikationsfrei überstanden und konnte bereits nach 36 Stunden bei guter eigener Atemtätigkeit von der künstlichen Beatmung entwöhnt werden.

In der Folgezeit machte die Patientin kontinuierlich Fortschritte und konnte nach wenigen Wochen ihren sehnlichsten Wunsch, nach vier Jahren endlich wieder selbst die Haare föhnen zu können, in die Tat umsetzen.

Zwischenzeitlich sind dem Aktionsradius der Patientin kaum mehr Grenzen gesetzt, so daß bei sehr guter Lungenfunktion derzeit das muskuläre Aufbauprogramm im Vordergrund steht, um dem verständlichen Drang nach ausgedehnten Spaziergängen nachkommen zu können.

Wiederholte bronchoskopische Nachuntersuchungen durch Oberarzt Dr. K1üppelberg von der Thoraxklinik und Oberarzt Dr. Borst von der Krehl-Klinik bestätigen das einwandfreie "Anwachsen" der neuen Lunge ohne Hinweis auf Abstoßungsvorgänge, die durch entsprechende lebenslange Einnahme von Medikamenten unterdrückt werden müssen.

Übrigens, die Geschichte von Frau M. wurde von einem Kamerateam des ZDF vor, während und nach der Lungentransplantation aufgezeichnet und soll im Frühjahr 1998 ausgestrahlt werden.