Ein neues Herz rettete ihr Kind
von Thea Bracht -Heilbronner Stimme-

Der neunjährige Benjamin Geiger aus Eberstadt spielt wieder Fußball. Ein kleines Wunder. Denn vor 1 1/2 Jahren wurde dem schwer herzkranken Jungen ein Spenderherz implantiert. Aus Dankbarkeit möchte die junge Familie nun Betroffenen helfen.

„Bevor das mit Benjamin passierte, haben wir uns kaum mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt", erzählt seine Mutter Ilse Geiger. „Wir hätten auch nie gedacht, dass wir auf dieses Geschenk einmal angewiesen sein könnten."

Zwei Jahre ist es her, dass sich Benjamin von einer Bronchitis einfach nicht erholen wollte. Kurze Zeit später diagnostizierten Heidelberger Ärzte bei ihm eine schwere Herzmuskelerkrankung im Endstadium, von der die Familie vorher nichts geahnt hatte. „Für uns ein Abgrund", meint Ilse Geiger. Es gab nur die Alternative Transplantation. Vier Wochen stand Benjamin auf der Warteliste, dann ging alles sehr schnell. Innerhalb weniger Stunden musste er per Krankenwagen und Hubschrauber nach Nordrhein-Westfalen bracht werden, da ein Spenderherz zur Verfügung stand. Ilse Geiger erinnert sich an die schwere Wartezeit und die Operation: „Wir hatten ein ganz großes Bedürfnis, mit anderen Betroffenen zu sprechen". Viel Mitgefühl brachten die Eberstädter den Geigers entgegen, und das wissen sie heute noch zu schätzen.

Mit Benjamin hatten sie vor der Operation schon intensiv geredet und ihm alles genau erklärt. Erstaunlich schnell erholte sich der damals Siebenjährige von der Operation, spielte schon nach wenigen Wochen auf dem Stationsflur Fußball und ging bald mit seiner Familie in die Rehabilitationsklinik.

Die psychologische Betreuung sei dort sehr gut und wichtig, meint Ilse Geiger. Die Hilfe, die ihnen vor 1 1/2 Jahren entgegengebracht wurde, wollen die Geigers nun weitergeben. Deshalb setzten sie sich mit dem Heilbronner Kontaktkreis Organspende & Transplantation in Verbindung, in dem drei Dachvereine zusammengeschlossen sind: die Herztransplantation Südwest, die Selbsthilfegruppe Lebertransplantierte Deutschland und der Verband der Dialysepatienten Baden Württemberg.

Sowohl mit erwachsenen Transplantierten und Menschen, denen die Operation noch bevorsteht, als auch mit Eltern transplantierter Kinder möchten die Geigers Erfahrungen in zwangloser Runde austauschen. „Die Ziele und Aufgaben eines solchen Kontaktkreises sehen wir darin, anderen Betroffenen zu helfen und bei psychologischen Problemen für sie da zu sein", fasst Ilse Geiger zusammen.

Auch jetzt ist die schwere Zeit nicht vergessen: Zwar lebt Benjamin einen ganz normalen Alltag. Er spielt Fußball, schreinert in seiner Freizeit und hat das nachgeholt, was er während seiner Krankheit in der Schule verpasst hat. Aber die Angst bleibt. Immer noch kann es zu Abstoßungen, verbunden mit Fieberanfällen, kommen. Und die regelmäßige Einnahme von Medikamenten sowie die vielen Kontrollen im Krankenhaus schränken sein Leben doch ein wenig ein.

Aber im Vergleich zu anderen Kindern mit Spenderorgan geht es Benjamin seht gut. Schon in der Zeit, als er auf ein Spenderherz gewartet hat, traf er eine Entscheidung: „Wenn ich einmal sterben muss, möchte ich auch Organe spenden. So weiß ich, dass ich noch jemandem helfen kann."

Interessierte wenden sich an Familie Geiger in Eberstadt, Telefon 07134/4595, oder an den Kontaktkreis Organspende & Transplantation, Telefon 07132/41317.