Ein kleiner Live-Bericht zur Abstimmung im Bundestag am 25. Juni 1997 zum Transplantationsgesetz:

Die Sitzungspräsidentin gibt im Bundestag das Ergebnis der namentlichen Abstimmung zum Transplantationsgesetz bekannt. 449 Abgeordnete stimmen für die „Erweiterte Zustimmungslösung, 151 votieren dagegen und 29 Parlamentarier enthalten sich der Stimme.

Ich habe mir folgende Frage gestellt:

"Was geht eigentlich in diesem Moment in mir als Organempfänger vor, wenn man mehr als 5 Stunden, teilweise mit Tränen in den Augen, manchmal mit Unverständnis und bei manchen Passagen mit Angst die Beiträge der Abgeordneten gehört, gedanklich umgesetzt und verarbeitet hat ?"

Und ich habe folgende Antwort gefunden:

Es war keine Freude wie bei einem großen Lottogewinn, wir sind uns nicht um den Hals gefallen, wir waren einfach zufrieden, erleichtert und dankbar, daß die Politiker doch so eindeutig in der Lage waren, diese Entscheidung zu treffen.

Oft dachte ich während der Debatte daran, wie und was ich wohl empfinden würde, wenn der Hirntod nicht als der Tod des Menschen im Gesetz stehen würde, hätte ich, hätten die vielen tausend Transplantierten dann überhaupt eine rechtliche und moralische Daseinsberechtigung, wäre ich als Transplantierter dann ein Mensch, der eigentlich gar nicht mehr leben dürfte, obwohl mir doch das Leben so viel gibt und Spaß macht ?

Was würden die Angehörigen von Organspendern empfinden, wenn Ihnen im Nachhinein die rechtliche Grundlage für die zurückliegende positive Entscheidung für eine Organspende genommen würde ?

Was passiert mit den Ärzten, den Schwestern und Mitarbeitern in den Transplantationszentren und speziell auf den Intensivstationen, wird deren sicher sehr schwere Arbeit nicht mit einem Schlag zerstört und unwürdig?

Würden alle die, die bis heute einen Organspendeausweis besitzen, diesen vernichten und was passiert wohl mit den Menschen auf der Warteliste zu einer Organtransplantation – würde für diese die Lage nicht völlig hoffnungslos.

Unser bisheriges Engagement zu allen möglichen Anlässen, unsere Bemühungen dem Thema mit ehrlichen und sachlichen Informationen (auch hier im Internet) eine positive Meinung mitzugeben und die Weitergabe unserer Überzeugung, daß der Hirntod der Tod eines Menschen ist, haben wir damit Fehler gemacht ?

Und dann aber immer wieder der positive Gedanke: Es muß aus meinem Verständnis der Dinge heraus einfach zu einer Mehrheit für den Gesetzentwurf von Seehofer kommen, nein, alles andere wäre nicht denkbar.........

 

Nach der Verabschiedung gilt es jetzt, das neue Gesetz mit Leben zu erfüllen und den Text in Taten umzusetzen. An Motivation wird es mir und uns uns sicherlich nicht fehlen, hoffentlich auch nicht an entsprechender Unterstützung.

 

Reiner Hofmann, 26. Juni 1997